Gott­sucher

Be- und Erkenntnisse eines Spätbekehrten

Müssen Erlöste durch die siebenjährige Drangsal?

Dass es für Erlöste eine leibliche Auferstehung und Entrückung gibt, daran zweifelt eigentlich kaum jemand; schließlich ist diese Tatsache ganz klar in der Bibel beschrieben:

Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin.

Johannes 14,2-3

Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune; denn die Posaune wird erschallen, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden.

1.Korinther 15,51-52

...der Herr selbst wird, wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zusammen mit ihnen entrückt werden in Wolken, zur Begegnung mit dem Herrn, in die Luft, und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.

1.Thessalonicher 4,16-17

Die Frage, über die sich die Gelehrten jedoch nicht ganz einig sind, betrifft den Zeitpunkt der Entrückung: Vor, in der Mitte oder nach der siebenjährigen Drangsal. Oder anders gefragt: Müssen Gläubige durch die "Drangsal Jakobs"?

a) Erlöste müssen durch die gesamte Drang­salszeit

Befürworter der Entrückung nach der Drangsal (der sogenannten "Nachentrückung") begründen ihre Ansicht z.B. damit, dass es sich bei der Wiederkunft in Matthäus 24,3 und 1.Thessalonicher 4,15 um ein und dasselbe Ereignis handeln würde. – Dies halte ich jedoch für unzutreffend, da es m.E. nicht in das Gesamtbild der Bibel passt. Die "Drangsal Jakobs" (Jeremia 30,7) ist Teil des Heilsplans Gottes und hat das Ziel, das Volk Israel dahin zu bringen, dass es Jesus Christus als den bereits gekommenen Messias erkennt (Offenbarung 1,7; Sacharja 12,10). Es wäre zudem auch unplausibel, wenn ausgerechnet die letzte Generation Erlöster noch einmal besonders hart geprüft werden müsste, während die bereits Verstorbenen "im sicheren Hafen" sind. Nein, die gesamte Gemeinde ist die "Braut Christi", und kein Bräutigam würde seine Braut vor der Hochzeit noch einmal ordentlich durchprügeln lassen oder dies gar selber tun.

b) Erlöste müssen durch die zweite Hälfte der Drang­salszeit

Befürworter der Entrückung in der Mitte der Drangsal sagen, dass die Gemeinde zwar vor den Zorngerichten Gottes bewahrt werden (1.Thessalonicher 5,9); diese würden jedoch erst ab der zweiten Hälfte der sieben Jahre mit dem Öffnen des siebten Siegels, den Posaunen- und Schalengerichten (Offenbarung 8) beginnen. Davor sei es nicht Gott, sondern der Antichtist, unter dem die Gläubigen zu leiden hätten. – Doch was sollte denn das Öffnen der ersten 6 Siegel durch das Lamm und infolgedessen das Aussenden der "apokalyptischen Reiter" und in deren Gefolge Weltkriege, Hyperinflation, Tod eines Viertels der Erdbevölkerung, Erdbeben, Meteoritenschwärme etc. (Offenbarung 6) anderes sein als der Zorn Gottes über die Erdenbewohner? Ganz abgesehen davon, dass Christen dazu aufgerufen sind, für ihre Verfolger zu beten statt Gott zu bitten (Matthäus 5,44), sich an ihnen zu rächen (Vers 10).

c) Erlöste müssen nicht durch die Drang­salszeit

Die Entrückung vor der Drangsal (die sogenannte "Vorentrückung") erscheint mir am plausibelsten, da sie sich am besten in das Gesamtbild des Heilsplans Gottes mit den Menschen (Nationen und Israel) einfügt. Für diese Auslegungsvariante ließen sich viele Belege in Form von Bibelstellen finden; an dieser Stelle möchte ich mich jedoch auf eine Bibelstelle beschränken, nämlich 2. Thessalonicher 2,1-12, die ich nachfolgend entsprechend auslegen bzw. kommentieren möchte:

2. Thessalonicher 2 Auslegung
1 Wir bitten euch aber, ihr Brüder, wegen der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm: Hier geht es um die Wiederkunft Jesu zur Entrückung der Gemeinde (1Thes 4,17). Die Thessalonicher glaubten aufgrund der starken Verfolgung und falschen Lehre(r)n, sie hätten die Entrückung „verpasst“ und befänden sich schon in der Drangsal.
2 Lasst euch nicht so schnell in eurem Verständnis erschüttern oder gar in Schrecken jagen, weder durch einen Geist noch durch ein Wort noch durch einen angeblich von uns stammenden Brief, als wäre der Tag des Christus (o. Tag des Herrn) schon da. Der „große und schreckliche Tag des HERRN“ (Joel 3,4) bezeichnet die Ausgießung des Zornes Gottes über die gottlosen Bewohner der Erde ab der 2. Hälfte der siebenjährigen Drangsal, auch „große Drangsal“ genannt (Mt 24,21), vor der die Gemeinde durch Entrückung bewahrt wird (1Thes 5,9).
3 Lasst euch von niemand in irgendeiner Weise verführen! Denn es muss unbedingt zuerst der Abfall kommen und der Mensch der Sünde geoffenbart werden, der Sohn des Verderbens, Vor der Ausgießung des Zornes Gottes ab der 2. Hälfte der siebenjährigen Drangsal erfolgt ein großer Abfall vom Glauben (1Tim 4,1), was den Weg bereiten wird für das Auftreten des Antichristen. Dieser große, plötzliche Glaubensabfall könnte auch auf die Entrückung der Gemeinde hin gedeutet werden: Nachdem die wahren Gläubigen von der Erde genommen wurden, verbleiben dort nur noch Ungläubige und solche, die sich zwar „Christ“ nennen, die jedoch nie von neuem geboren wurden und somit keine Kinder Gottes sind.
4 der sich widersetzt und sich über alles erhebt, was Gott oder Gegenstand der Verehrung heißt, sodass er sich in den Tempel Gottes setzt als ein Gott und sich selbst für Gott ausgibt.
5 Denkt ihr nicht mehr daran, dass ich euch dies sagte, als ich noch bei euch war?
6 Und ihr wisst ja, was jetzt noch zurückhält, damit er geoffenbart werde zu seiner Zeit. Der "Zurückhalter" des Antichristen ist der Heilige Geist, der seit dem ersten Pfingsten (Apg 2) in der Gemeinde wohnt. Solange die Gemeinde und mit ihr der Heilige Geist auf der Erde ist, kann der Antichrist nicht öffentlich in Erscheinung treten.
7 Denn das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist schon am Wirken, nur muss der, welcher jetzt zurückhält, erst aus dem Weg sein; Bereits jetzt wirken im Hintergrund widergöttliche Kräfte, die jedoch noch in Schach gehalten werden. Doch sobald die Gemeinde und mit ihr der Heilige Geist von der Erde genommen wurde, ist der Weg frei für den Antichristen.
8 und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr verzehren wird durch den Hauch seines Mundes, und den er durch die Erscheinung seiner Wiederkunft beseitigen wird, Nach der Entrückung, während der 1. Hälfte der siebenjährigen Drangsal, bricht sich das Böse ungehindert Bahn. Ab der 2. Hälfte beginnt dann die Ausgießung des Zornes Gottes über die auf der Erde verbliebenden gottlosen Bewohner (7. Siegel, Posaunen- und Schalengerichte; siehe Offb 8ff, ), an dessen Ende die Vernichtung des Antichristen und des "falschen Propheten" steht (Offb 19,20), wenn Jesus zusammen mit Seinen „Heiligen“ (der zuvor entrückten Gemeinde) wiederkommt (1Thes 3,13) zur Errichtung des tausendjährigen Reiches.
9 ihn, dessen Kommen aufgrund der Wirkung des Satans erfolgt, unter Entfaltung aller betrügerischen Kräfte, Zeichen und Wunder Der Antichrist erhält von Satan die Fähigkeit, viele beeindruckende Zeichen und Wunder zu tun, die so überzeugend sein werden, dass die auf der Erde verbliebenen Menschen glauben werden, dass diese von Gott bewirkt werden. (Mt 24,24; Offb 13,14)
10 und aller Verführung der Ungerechtigkeit bei denen, die verlorengehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, durch die sie hätten gerettet werden können. Doch das einzige Ziel des Antichristen ist es, die Menschen zu beeindrucken und sie dadurch vom Glauben an den wahren Gott und Messias abzulenken, durch den sie während der zurückliegenden Gnadenzeit hätten gerettet werden können.
11 Darum wird ihnen Gott eine wirksame Kraft der Verführung senden, sodass sie der Lüge glauben, Die Menschen, die während der Gnadenzeit die Wahrheit Gottes bewusst abgelehnt hatten, wird Gott nun seinerseits ihrem Irrglauben überlassen. Ihre Verblendung wird so stark sein, dass sie nicht mehr in der Lage sein werden, die Wahrheit zu erkennen (2Kor 4,3-4). Hinzu kommt noch, dass der Druck der Verfolgung so stark sein wird, dass sich die meisten nicht zu Jesus bekennen werden (Offb 13,15).
12 damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern Wohlgefallen hatten an der Ungerechtigkeit. Letztlich werden sie den Antichtristen anbeten und das Malzeichen annehmen (Offb 13,16-17) und damit auf ewig verloren gehen (Offb 14,9-11).
Oder zusammengfasst:
  • Zuerst die Entrückung der Gemeinde und damit die Entfernung des "Zurückhalters", d.h. des Heiligen Geistes.
  • Dann Glaubensabfall und Auftritt des Antichristen während der ersten 3½ Jahre der Drangsalszeit.
  • Danach die Ausgießung des Zornes Gottes während der letzten 3½ Jahre der Drangsalszeit.
  • Dann die Wiederkunft Jesu zusammen mit der Gemeinde und Sieg über den Antichristen und den falschen Propheten.

Aktuell (Stand April 2026) befinden wir uns in dem nunmehr fast 2000 Jahre andauernden Gemeinde- bzw. Gnadenzeitalter, in dem jeder Mensch die Möglichkeit hat, zu Gott umzukehren, das Geschenk der Gnade anzunehmen und dadurch für die Ewigkeit gerettet zu werden. Danach wird dies wesentlich schwieriger und vielleicht sogar praktisch unmöglich werden. Wir wissen nicht, wie lange das Gemeindezeitalter noch andauern wird, aber die in der Bibel angekündigten Vorzeichen des Endes dieses Zeitalters treten immer deutlicher zutage (Jesus nannte dies "Wehen"; vgl. z.B. Matthäus 24,8), so dass ich glaube, dass wir kurz vor dem Ende des Gemeindezeitalters stehen (siehe die gestrichelte rote Linie in obiger Grafik) und dass die Entrückung nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen wird. Darum meine Empfehlung:

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